Was ist Recht?

02Apr12

Wie kommt es, dass laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung des Jahres 2008 erstaunliche 73 Prozent der Bundesbürger der Ansicht sind, dass es in Deutschland nicht gerecht zuginge? Ist Gerechtigkeit eine Frage von Mehrheiten? Wer definiert, was „rechtens“ oder „gerecht“ ist? Und, gibt es nur eine territoriale und keine allgemein gültige Gerechtigkeit?

Diese Fragen sind nicht neu. Bereits der Sokrates-Schüler Platon und nach ihm viele andere haben sich ernsthaft die Frage gestellt, ob Gerechtigkeit nur eine Definitions- und Konventionsfrage ist oder ob es Gerechtigkeit ungeachtet der jeweiligen Realverhältnisse gibt. Mit anderen Worten: gibt es also nur eine relative oder im Gegensatz dazu eine absolute Gerechtigkeit?

Im allgemeinen setzen wir Gerechtigkeit mit Recht und Recht mit Gesetz gleich, doch letzteres wird unzweifelhaft von Menschen gemacht und zwar in der Regel abhängig nicht nur von einer Mehrheitsmeinung – wie in einer Demokratie – sondern eingebettet in ein kulturelles und wirtschaftliches Umfeld. In orientalischen Ländern verstehen die Menschen aufgrund ihrer kulturellen und religiösen Prägung etwas anderes unter Gerechtigkeit als in der westlichen Welt; und sozialistische Staaten schaffen einen anderen gesetzlichen Rahmen als solche, die auf freie Marktwirtschaft setzen.

Es ist also offensichtlich, dass wir einen relativen Begriff von Recht, Gesetz und damit Gerechtigkeit vorfinden.

In seiner Absolutheit steht Gerechtigkeit immer im Spannungsverhältnis zwischen Recht (Gesetz), Gerechtigkeit, Ordnung (Harmonie) und Handeln des einzelnen bzw. des Staates. Damit dürfte aber unstreitig sein, dass letztlich stets der Mensch als Gerechtigkeit empfindendes Wesen im Zentrum aller Überlegungen stehen muss. Und der Mensch ist per se ein soziales Wesen, zumindest in dem Sinn, dass er in einem sozialen Gefüge mit anderen zusammen lebt. Sein (Aus-)leben aber wiederum hängt unmittelbar mit seinen individuellen Bedürfnissen zusammen, die das Bindeglied zwischen Vernunft und Handeln sind, denn der Mensch ist ein Wesen, das denkt, fühlt und sich entfalten will. Die vordringliche Aufgabe von Gesetzen muss also die Herstellung bzw. Aufrechterhaltung von Ordnung und damit Harmonie sein, welche wiederum nur herrschen können, wenn die Freiheit des einen an der des anderen endet.

Grundstock einer (dauerhaften und globalen) Gerechtigkeit müssen damit die unumstößlichen Bedürfnisse aller Menschen sein. Diese sind primär das Recht auf Leben und körperlicher Unversehrtheit. Wie die Geschichte eindringlich gezeigt hat und immer noch zeigt, gehört dazu aber auch das Recht auf institutionellen Schutz der individuellen Freiheitsrechte und die Gleichheit aller vor dem Gesetz sowie zumindest die gleichen Zugangschancen auf Bildung und Wohlstand.

Doch selbst wenn derartige Rahmenbedingungen, wie an sich in der Bundesrepublik Deutschland, gewährleistet sind, bleibt ein jeder für sein Glück eigenverantwortlich, was allerdings die Frage der Solidarität für diejenigen aufwirft, die aus sich heraus dazu nicht in der Lage sind. Daraus aber kann wiederum ein Gefühl der Benachteiligung bzw. Bevorteilung entstehen, wodurch durchs Hintertürchen immer wieder die Frage der Moral hereinschleicht. Folglich steht an erster Stelle die Notwendigkeit, den Menschen nicht nur zu einem denkenden, fühlenden und wollenden, sondern auch moralischen Wesen herauszubilden.

(in Anlehnung an einen Beitrag von Friedrich Merz in „Denkanstöße2010“, Lesebuch Philosophie – Wissenschaft, … Verlag)

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